Kolumne: Das späte Deepfake-Verbot

Das späte Deepfake-Verbot

Was passiert, wenn Fälle massiver Gewalt, wie der jüngste zu sexualisierter digitaler Gewalt, an die Öffentlichkeit gelangen? Frauen organisieren Demos (13.000 Menschen in Berlin), fordern strengere Gesetze und umfassenden Opferschutz. Sie sind im Privaten noch vorsichtiger, treffen Vorkehrungen, um sich noch besser zu schützen.

Und während all das passiert, verzeichnet die Suchanfrage „Collien Fernandes nackt“ ein Plus von 130 %. Ob es sich hier um unschuldige Beweisrecherche handelt? Böse Zungen behaupten, es sind Männer, die sich an der digitalen Gewalt, die Frauen angetan wurde, ergötzen.

Denn diese Gewalt eskaliert seit Jahren – dass ein besonders drastischer Fall öffentlich wurde, ist Zufall. Doppelter Zufall, dass ausgerechnet gestern im EU-Parlament ein Verbot der Erstellung von sexualisierten KI-„Deepfakes“ beschlossen wurde. So richtig dieser Schritt ist, so spät kommt er. Neu ist das Problem nämlich nicht: Bereits 2019 zeigte eine Studie, dass rund 96 % aller digital manipulierten Videos zu pornografischen Zwecken erstellt werden – die Opfer ausschließlich weiblich. Wer sie produziert, können Sie sich wohl denken.

Nun sollen endlich rechtliche Konsequenzen folgen, die ein wertvolles Signal an Betroffene und Täter senden. Dass Gesetze alleine keinen Schutz garantieren, ist klar – es braucht schon auch Prävention: die Arbeit mit Burschen und potentiellen Tätern, gesellschaftspolitische und soziale Arbeit. Arbeit, für die immer wieder gekämpft werden muss, die von politischen Entscheidungsträgern viel zu gerne gekürzt wird.

Heutzutage hilft es schlicht nicht mehr, unsere Töchter zu warnen, sie sollen keine Nacktbilder von sich verschicken. Was sehr wohl hilft, ist unsere Söhne zu erziehen, dass sie keine Täter, keine Mitwisser, keine Zuseher werden.

 
Gastkommentar von Anna Majcan, Sprecherin des Grazer Frauenrats.
Erschienen in: Kleine Zeitung vom 30.03.2026.

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