Kolumne: Die Schattenseite der WM
Sommer, Sonne, Männerfußball-WM – für viele die schönste Zeit im Jahr. Schließlich bringt Fußball die Menschen zusammen wie sonst kaum ein Ereignis. Doch Jubel und Niederlagen am Spielfeld haben einen bitteren Beigeschmack, der in der Berichterstattung häufig übersehen wird: Patriarchale Gewalt – und damit Gewalt gegen Frauen – steigt nachweislich im Zusammenhang mit Fußballspielen.
Hitzige Spielverläufe, hochkochende Emotionen und erhöhter Alkoholkonsum – was rund um große Sportereignisse in unserer Gesellschaft normalisiert ist, geht mit einem Anstieg von Gewalt gegen Frauen einher. Eine britische Studie belegt, dass gemeldete Fälle häuslicher Gewalt um 38 % steigen, wenn die Nationalmannschaft verliert. Doch auch ein Sieg „schützt nicht“: Selbst nach gewonnenen Spielen nehmen Gewalttaten um 26 % zu. Das Muster ist nicht auf Großbritannien beschränkt, Studien aus verschiedenen Ländern zeigen ähnliche Ergebnisse.
Und dennoch liegt das nicht „am Fußball“ per se, sondern, wie so oft, an unserem gesellschaftlichen Problem mit Männergewalt. Mit akzeptierter männlicher Aggression, mit toleriertem überbordenden Alkoholkonsum.
Die Konsequenz kann insgesamt nicht sein, Fußball zu verteufeln. Aber die Augen vor den Problematiken, die damit einhergehen, zu verschließen, kann genauso wenig eine Option sein. Andere Länder setzen bereits auf Maßnahmen: In England gilt beispielsweise ein Alkoholverbot in den Stadien. In Mexiko machen Frauenhäuser mit der Kampagne „Gewalt gegen Frauen ist nicht Teil des Spiels“ auf die Schattenseite der WM aufmerksam. Verantwortung zu übernehmen heißt auch hinzuschauen, in den eigenen Reihen, und den Kollegen aus dem Fanclub, den guten Freund oder den Sohn auf problematisches Verhalten aufmerksam zu machen – ob im Stadion oder vor dem Fernseher. Gewalt gegen Frauen darf kein Teil des Spiels sein.
Kolumne von Anna Majcan, Frauensprecherin
Erschienen in: Kleine Zeitung am 01.07.2026

