WIEN TOURISMUS Die Stadt Wien als Klischee – auch in Sachen Frauen und Männer

WIEN TOURISMUS Die Stadt Wien als Klischee – auch in Sachen Frauen und Männer

WIEN TOURISMUS Die Stadt Wien als Klischee – auch in Sachen Frauen und Männer 150 150 Watchgroup

Den Film von Wien Tourismus/Stadt Wien anhand des Kriterienkataloges analysiert ergibt eine Einstufung als sexistisch. >Werbespot ansehen<
Der Spot verwendet zahlreiche sexistische Frauen – und Männerdarstellungen, bedient tradierte Geschlechterklischees und Vorstellungen dessen, was als „weiblich” und „männlich” zu verstehen sein soll.
Frauen als Lustobjekt: das „Weibliche” steht als Symbol für Erotik und ist Erfüllungsgehilfin für männliche Heterosexualität. Damit verknüpft sind Schönheit, Jugendlichkeit und Dekorationsobjekt.
Frauen als verwöhnte Luxusgeschöpfe, deren Aktivitäten sich rund um ihren Körper, dessen Pflege und äußerliche Optimierung drehen – dafür werden u. a. weiblich konnotierte Produkte (Schmuck, Schminke…) eingesetzt. Die Frauen räkeln sich in Badewannen und auf Chaise Longues, wobei diese Aktivitäten für einen männlich heterosexuellen Blick inszeniert scheinen (Vgl. „Sexualisierung”).
Sexistische Männerkonzepte: typische Muster zur Darstellung von Männern sind Stärke und Dominanz, Macht und Einfluss – diese Muster bedient der Spot. Der Mann wird in eine Rolle der „Überlegenheit” gezwängt. Als Gewinn winkt dem Mann ein Statusgewinn durch attraktive Frauen. Gleichzeitig werden damit Versagensängste bei Männern geleugnet. Der Mann bedient in Sequenzen, die ihn schachspielend oder den Labtop nutzend zeigen, das Klischee des rationalen, technikaffinen und erfolgreichen Machers.
Darstellung der Mann-Frau-Beziehungen: Die Inszenierung für und durch einen männlich heterosexuellen Blick findet seine Fortsetzung (und letztlich Durchgängigkeit im gesamten Film) bei den Darstellungen der Mann-Frau-Beziehungen. Der Spot bedient die Männerphantasie der 3-er-Konstellation „Ein Mann, zwei Frauen”. Diese Phantasie gilt als opportun, da sie noch immer zur Selbstverständlichkeit von „Heterosexualität als notwendig für ein glückliches Leben” passen. Eine weitere Phantasie bietet die Einstiegssequenz: das „Stubenmädchen” im kurzen Röckchen und mit Stöckelschuhen. Anmerkung: es muss sich hier um eine Phantasie handeln, denn die Kleidung ist für die körperlich anspruchsvolle Arbeit völlig untauglich. Die Darstellung der 3-er-Konstellation folgt auch dem Muster „Mann flankiert von zwei Frauen”, das dem Mann die dominierende und verfügende Position zuweist.
Unterschiedliche Kleidung von Frauen und Männern ist ein Stilmittel und im Kontext eine Möglichkeit, Sexualisierung, Abwertung bzw. Abhängigkeiten und Rollenklischees auszudrücken. Die Frauen sind im Gegensatz zum Mann stets spärlicher bekleidet. Die Frauen sieht man teilweise nackt (Massage, Badewanne), den Mann stets vollständig gekleidet – er ist keiner Sequenz im gleichen Ausmaß entblößt wie die Frauen. Das gilt nicht nur für die Darstellung des Gästetrios, sondern auch für die Darstellung der MitarbeiterInnen: der Kellner trägt einen Anzug, das „Stubenmädchen” einen kurzen Rock. Das ist für ihre Situation und Position unpassend, ihre Rolle wird damit kompromittiert. Bei Männern ist Kleidung Ausdruck von Situiertheit und Professionalität, mehr Kleidung entspricht einem höheren Status.
Auch bei der Darstellung dieser beiden Berufe des Hotelgewerbes werden Frauen und Männer nicht nur durch ihre Kleidung unterschiedlich inszeniert. Das „Stubenmädchen” tippt mit ihren Mob lächelnd an die Wand, der Kellner prüft mit kritisch-fachmännischen Blick die Weingläser.
Die Stilisierung der Abhängigkeit der Frau vom Mann durch Gesten: die Frauen halten sich am Mann fest z.B. Treppenszenerie) fest, ihm obliegen die besitzergreifende Gesten (z.B. Couchszenerien). Anmerkung: an einer Stelle sollen vermutlich keine Fragen mehr offen bleiben, da die Kamera nach seiner Besitzergreifenden Geste direkt auf eine Banane im Obstkorb schwenkt.
Sexualisierung und Gleichsetzung von Frauen mit Produkten in Kombination mit der Verwendung der weiblichen Sexualität: Nach dem Motto „sex sells” werden die Frauenkörper sexualisiert, als universell einsetzbares Werbeinstrument dargestellt, sie werden auf ihre Sexualität reduziert (Vgl. oben). Die Frauen werden wie Konsumartikel dargestellt und behandelt und mit dem Produkt gleichgesetzt. Durch das textliche Arrangement zu Spotende (Slogan „Wien – Wo die Nächte traumhaft sind”) verstärkt: die gezeigten Frauen scheinen buch-und konsumierbar wie die in Kurzsequenzen gezeigten Waren – und Kulturhighlights. Die Frauen werden in rein dekorativer Funktion als Blickfang dargestellt und der der direkte inhaltliche Zusammenhang zum beworbenen Produkt – nämlich die Stadt Wien – erschließt sich nicht. Die ästhetisierten (halb)nackten Frauen, die sich „räkeln”, machen nicht nur das Produkt „begehrenswert”, sondern auch sich selbst (Vgl. oben) Die Darstellung und das Bild-Text-Arrangement (Slogan zu Spotende) suggerieren, dass die Frauen Waren sind – käuflich wie die beworbenen Produkte. Als mit dem beworbenen Produkt gleichgesetzt sollen die Frauen den Status des Mannes erhöhen. Diese Darstellungsweise bedient sich der feudalen Annahme, dass die Frau dem Mann gehöre, z.B. die Darstellung eines Mannes, flankiert von zwei Frauen (vgl. oben)
Körper und Stilmittel: Die Körperbilder entsprechen einem eng definierten Schönheitsideal für Frauen und Männer.