EINE FESTIVALSZENE Spass oder Sexismus?

EINE FESTIVALSZENE Spass oder Sexismus?

EINE FESTIVALSZENE Spass oder Sexismus? 150 150 Watchgroup

Sujet_Volksbank

(Sujet © Volksbank)

Eine aktuelle Werbung der Volksbank, die laut der an uns ergangenen Beschwerde an jugendliche Kund_innen geschickt wird, zeigt eine Festivalszene mit jungen Menschen. Ein Mädchen liegt lachend im Matsch, ein Junge und ein Mädchen halten ihre Beine, sie sind umringt von einer Gruppe ebenfalls lachender Jugendlicher. Im Vordergrund des Sujets steht der Spruch „Wir wissen was Spass macht“, begleitet von „Let’s party“.

Auf den ersten Blick ist es schön, lachende Jugendliche in einer Werbung zu sehen. Nicht auf Hochglanz gestylt, sondern in einer anscheinend aus dem Leben gegriffenen Situation: auf einem Festival, ausgelassen und dreckbeschmiert im Matsch.

Die sexistische Darstellung ist hier eine subtile und muss im Zusammenhang mit dem aktuellen Diskurs über Gewalt an Frauen gesehen werden:

Werbung für Jugendliche setzt naturgemäß den Fokus auf zielgruppengerechte Coolness. Allerdings ist es nur das Lächeln der am Boden liegenden jungen Frau, das die Unterscheidung zwischen einer offensichtlich gewaltvollen Szene und einer Darstellung von angeblichem trendy Freizeitspass ausmacht. In der Werbung wird zeitweise ein arrangiertes Setting von Gewalt zum Belustigungsfaktor, der zur Anerkennung in einer Vergnügungsgesellschaft führt. Die Demütigung von Frauen wird verschleiert, das Verharmlosen von Gewalt ist Menschenrechtsverletzung und stellt eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts dar.

Bedenklich ist darüber hinaus auch die Inszenierung der anderen Mädchen in der Rolle der Komplizinnen. Weibliche Komplizenschaft dient hier als Rollenvorbild, das Dulden von Gewalt schafft eine Atmosphäre eines angeblichen Einverständnisses und kann dadurch die Hemmschwelle für Übergriffe senken.

Gewalt an Frauen ist ein strukturelles Problem. Werbung wirkt und hinterlässt Spuren in unserem Bewusstsein. Unternehmen stehen in der Verantwortung, Akzeptanz für Gewalt an Frauen durch Werbebotschaften zu verhindern.

Wir vermuten, dass dieses Sujet nicht gewaltvoll wirken soll. Hinsichtlich des allgemeinen Etablierens von Gewaltdarstellungen und deren Akzeptanz ist dringend Sensibilität angebracht.

Gemäß unseren Kriterien ist dieses Sujet als sexistisch einzustufen.

Die Watchgroup gegen sexistische Werbung bedankt sich bei TARA für die beratende Funktion!