Presseaussendung zur Vertragskündigung des Frauengesundheitszentrums

 

Mit Bestürzung haben wir von der Vertragskündigung der Frauenstadträtin mit dem Frauengesundheitszentrum erfahren. Obwohl uns zugesichert wurde, das es keine Änderungen geben wird, bevor das Ergebnis der Evaluierung aller Grazer Fraueneinrichtungen vorliegt.

Dagegen protestieren wir im Namen des Vorstands des Grazer Frauenrates und fordern die Frauenstadträtin auf, die Kündigung mit dem Frauengesundheitszentrum zurück zu nehmen.

Nun wird diese wichtige Einrichtung für Frauen zerstört. Die ehemalige Bundesministerin für Frauen und erste Frauenstadträtin in Graz, Helga Konrad hat die Gründung des Frauengesundheitszentrums Mitte der 90-iger Jahre sehr unterstützt. Die damalige Parteikollegin, unserer derzeitigen Frauenstadträtin und Vizebürgermeisterin Martina Schröck hat damals schon erkannt, dass es einer gendersensiblen Gesundheitspolitik für Frauen bedarf. Alle gesundheitsspezifischen Aspekte richten sich grundsätzlich nach den männlichen Normen. Helga Konrad war der Zeit voraus und hat diese Erkenntnisse nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten unterstützt. Sie hat für einen guten Vertrag des Frauengesundheitszentrums gesorgt. Ziel war es außerdem, künftig für alle Fraueneinrichtungen Verträge zur Absicherung der Arbeit für die Frauen der Stadt zu erreichen.

Bis heute wurde dieses Ziel nicht erreicht, weil sich alle ehemaligen Stadträtinnen der SPÖ im gemeinsamen Kampf mit den Fraueneinrichtungen einige Verbesserung für diese erlangen konnten. Mit ihrer Forderung nach einem höheren Budgetanteil für Frauen konnten sie sich aber nicht durchsetzen. Die jetzige Frauenstadträtin hat dies nicht einmal versucht, sondern nimmt die angespannte Budgetlage der Stadt Graz und ihres Ressorts zum Vorwand, eine bewährte Fraueneinrichtung zu vernichten. Hat sie Befürchtungen, dass bei der Evaluierung womöglich herauskommt, dass die Mitarbeiterinnen im Frauengesundheitszentrum - wie auch in allen übrigen Fraueneinrichtungen - engagiert und nicht grade hoch bezahlt zudem ohne besondere Karrierechancen, am Rande ihrer Leistungsgrenzen arbeiten. Um den Grazer Frauen ein vielfältiges Angebot bieten zu können, wird einmal mehr bewiesen dass die Wertschätzung für Frauen und deren spezifischen Bedürfnisse, der Weg zu einer tatsächlichen Gleichberechtigung und Verteilungsgerechtigkeit nur leere Worte sind. Beim Geld zeigt sich die wahre Gesinnung.

Dass das bei einer männlich orientierten Stadtregierung der Fall ist, wundert uns nicht, aber bei der Frauenstadträtin und Vizebürgermeisterin schmerzt diese Haltung ganz besonders.

 

Irene Windisch

Obfrau, Verein Grazer Frauenrat

22. Mai 2014